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Die Geschichte der Kaffeerahmdeckeli und des

Clubs Kaffee-Doppelcrème

1950 - 1967

Willi Waller, Gemeindepräsident von Zug, Tüftler der ersten Stunde, erfindet in den 50er Jahren eine Abfüllmaschine. Zeitgleich werden bereits in der USA solche Praktiken vollzogen. Bereits in den 60er Jahren gibt es Deckeli-Sammler; damals hatte niemand Verständnis für ein solches Hobby. Viele Deckeli gehen verloren, weil diese beim Hinschied der Personen im Abfall landen. Zu dieser Zeit werden die Deckeli ausgestanzt und in Rohre abgefüllt. Eine Saugmaschine zieht das Deckeli an, platziert es auf das tiefgezogenen Portionenkübeli und verschweisst es mit der Alu- und Verbundfolie. Pioniere dieser Zeit sind die Firmen Burra und Vermo.

1968 - 1977

Sammler der ersten Stunde kennen sie noch, die 3-Eck-Tetra-Portionen, welche bis Anfang der 80er Jahre in den Verkaufsregalen liegen. Der Rahm wird oft im UP-Verfahren hergestellt und ist nicht so lange haltbar wie heute. Der Bedarf an Portionenverpackungen steigt.

Frau Marietta Freitag beginnt sich seit 1970 für Kaffeerahmdeckeli zu interessieren. Zu diesem Zeitpunkt werden die Deckeli noch immer ausgestanzt und auf die Becher geschweisst. Die Entwicklung der Abfüllmaschinen geht in eine neue Runde, als man entdeckt, dass sich Rahmportionen mit einer Folie überspannen lassen und man diese so befüllen und ausstanzen kann. Auch besitzen einige Betriebe bereits das Know-How, Rahmportionen für das nahe Ausland (Deutschland, Österreich, Elsass) zu produzieren und zu exportieren. Anfänglich nach den vielen Einzelstücken beginnt die Produktion von Deckeli-Serien mit typisch schweizerischem Charakter. Man erinnert sich an Alpenblumen, Trachten, Schlösser, Sehenswürdigkeiten…

1978

Die urheberrechtlich geschützte Marke "Floralp" wird zum Markenzeichen. Es erscheinen zum ersten Mal 30er-Serien. Die Serien sind lang erhältlich; auf dem Markt ist es regelrecht langweilig!

1979

Es erscheint die wohl bekannteste Serie aller Serien. Es ist die Burra-Serie "Blick", welche jedoch nicht allzu lange auf Markt währt, aufgrund der sogenannten "argfremden" Werbung - was damals strengstens verboten ist! Die Deckeli werden zurückgezogen, vernichtet und bis heute als Rarität gehandelt.

Die Firma Vermo beginnt mit der variantenreichen Serie "Sternzeichen" in glatter und gerippter Lasche. Die Deckeli sind im Aluminium-Verbund auf Aluminium-Becher geschweisst. Einmalig in der Dekeli-Geschichte!!! Die Firma Stalden hat die gleiche Abfüllanlage!

Diese Deckeli ohne Defekt abzulösen ist eine grosse Herausforderung!

1980

Die Firma VM (später Intermilch) investiert Geld und lanciert Portionen für den Verkauf. Der Riegel ist geboren! Die VM ist in der Lage, ihre Rahmportionen in vier (ab 1986 in sechs) Varianten zu produzieren!


1981 - 1984

Es erscheinen maximal zehn Serien pro Jahr und der Sammler kann recht gut mithalten. Jedoch gibt es aus diesen Jahren auch etliche Serien, welche nur dünn gestreut, und nicht ganz leicht zu erhalten sind. 1983 erscheint der erste Zeitungsartikel über Kaffeerahmdeckeli.

Inzwischen produzieren:


Butterzentrale
Gossau BZG

Intermilch


1985

Die Migros füllt zum ersten Mal Rahmportionen für das eigene Geschäft ab!


1986

Am 26. August 1986 gründet Frau Marietta Freitag im Tea Room «Camp» in Bundkofen bei Schüpfen mit 13 Mitgliedern den Club "Kaffee-Doppelcrème".

Unter Mitwirkung eines Notars aus Bundkofen werden die Statuten erstellt.

1987

Die bis ins Jahr 2000 grösste Serie "Gemeindewappen Kt. Aargau" mit 232 Stück erscheint bei der Aargauer Zentralmolkerei (AZM) in vier Etappen. Die Serie wird 1993 mit silbrigem Hintergrund neu aufgelegt.



1988

Die erste offizielle Hauptversammlung findet im Mehrzweckgebäude in Grossaffoltern statt. Der Mitgliederbeitrag wird bei Fr. 10.- festgelegt. Jedes Mitglied erhält dafür gratis die A4-Vorlagen, auf welchen die Deckeli aufgeklebt werden können.


1989

Viele Serien von früher werden wieder produziert. Es entstehen viele Varianten - Emmi legt sich ein rundes Stanzwerk zu und kann somit alte Folie neu verkaufen. Der Sammlerboom beginnt!

1990

Der erste offizielle Kaffeerahmdeckeli-Katalog erscheint. Die "ED Emmentaler Druck AG" erstellt ihn nach den Vorlagen von Frau M. Freitag und druckt schwarz/weiss. Die erste Auflage ist rasch vergriffen. Es erscheint eine 2. Auflage in Zusammenarbeit mit ihr. Der Club-Mitgliederbeitrag wird auf Fr. 15.- angehoben. Das Abonnement des "Kuriosum" ist inbegriffen. Der Club hat darin eigene Seiten, auf welchen die Mitglieder über Clubaktivitäten informiert werden.
Nach einem Brand in der Firma Cremo in Freiburg wird das Grossformat von Cremo durch das Kleinformat ersetzt!
Burra bringt die Serie "Blumen & Früchte" auf den Markt. Bis heute sind über 18 Varianten bekannt! Vielen ist diese Serie ein Dorn im Auge…


1991

Ab 1991 findet die Generalversammlung des Clubs in der Markthalle Burgdorf/BE statt. Die Mitgliederzahl wächst stetig. Der erste ED-Katalog in Farbe erscheint.
Die Schweiz feiert 700 Jahre Eidgenossenschaft. Zu diesem Thema erscheinen etliche Serien.

Die erste "Sonder-Serie" (Winterthur) erscheint.
Der erste Käppeli-Katalog mit "Seltenheitsangabe" erscheint. Das erste böse Gewitter über der Deckeli-Szene nimmt grosse Ausmasse an!


1992

Der Club erreicht seine Blütezeit mit über 3'500 Club-Mitglieder.

Intermilch stellt die Rahmportionen-Produktion ein! Sie vertreibt Portionen aus dem Hause Cremo. Diese probiert die neue PET 23er-Folie aus. Die Folie ist nur noch alubedampft - Deckeli-Sammler können diese Folie nicht mehr glätten - die Qualität lässt nach!

Burra stellt ihren Maschinenpark vom Gross- auf Kleinformat um. Es werden viele neue Varianten geboren und alte Sujets erscheinen erneut in der x-ten Auflage!

Der Name "B&M Produkte" taucht zum ersten Mal auf!

1993

Der Beitrag wird erhöht auf Fr. 20.-. Die Deckeli-Zytig wird geboren. Emmi stellt ebenfalls den Maschinenpark um. Das alte Format geht verloren, etliche "Raritäten" erscheinen auf runden "Plättli", welche heimlich produziert werden. Das Geschäft floriert - viele Sammler sind darüber ziemlich verärgert und unsicher!


1994

Das Tea Room «Camp» wird geschlossen. Der fast obligatorische Sammlertreffpunkt all derer, die etwas von Deckeli verstehen. Grosses Bedauern in Sammlerkreisen.

Höhepunkt: 72 Privatserien, in den nächsten Jahren gehen diese rapide zurück.

Grösster Skandal im Deckeli-Markt! "Blutti Wiiber" wurden auf KRD abgebildet. Der Aufschrei der Sammlergemeinde ist enorm!


1995

Konkurs der "ED Emmentaler Druck AG"; der ED-Katalog und das Kuriosum sterben!

Mit der Serie "BEA 95" erscheint die erste Serie, welche als Werbeserie taxiert wird.

Die "Butterzentrale Gossau" wird zur "Säntis Milch AG"

Der erste Käppeli-Band erscheint. Ein Meilenstein, diese "Deckeli-Bibel"! Das Deckelisammeln erhält Kultstatus wie die Briefmarken mit der "Zumstein-Bibel"!


1996

Der Club feiert 10jähriges Bestehen und die "NEWS" werden geboren. Im zweimonatigen Rhythmus informiert der Club über alles was in der Deckeli-Szene passiert. Beitrag Fr. 25.-. Monatlicher Tausch in Aarberg.

Vermo stellt die Produktion von Rahmportionen ein. Endgültig! Ein Pionier stirbt, grosses Sammelbedauern!
Toni stellt das Produzieren von Grossformat-Deckel ein. Zu erwähnen gibt es hier: es gab nie grössere Deckel, als jene von Toni!

Auch "Säntis Milch AG" wechselt Maschinenpark von Gross- auf Kleinformat. Säntis ist in der Lage drei Varianten auf der neuen Maschine zu produzieren!


1997

Die "News" sind unter neuer Regie, das Outfit wird angepasst. Es kursieren Gerüchte, dass der Club von KARO oder KADE übernommen wird!

Die Migros bringt monatelang Serien von "Joe & Nina", "Felix & Lili" und "Alixa & Minimax".

Der Varianten-Markt wächst und wird ausgebaut - dank Säntis Milch AG!

Wer den Blick abonniert erhält die Blick-Abo-Serien; Donnerwetter in der Szene…

Als Höhepunkt in diesem Jahr: 22 Werbeserien, in den nächsten Jahren gehen diese rapide zurück.

Das definitive Aus für Toni. Es gibt keine 500er-Nummern mehr. Das Toni-Logo wird neu noch auf den Rahmportionen von Cremo verwendet!


1998

Der Club lässt einen Ring von Fälschern auffliegen und informiert ausführlich in den "NEWS".

Erster grosser Unfall mit Reinbenzin ist passiert. Der Club macht auf die Gefahren und Tücken des Reinbenzins aufmerksam.

Die von der Firma KADE lancierte Clubserie "10 Jahre Club Kaffee-Doppelcrème" erscheint mit zwei Jahren Verspätung!


1999

Der Club arbeitet stark mit Frau Cecile Di Bella zusammen. Der Club "Kaffee-Doppelcrème" feiert seinen ersten Internet-Auftritt.

Konkurs "KADE Vertriebs AG" = Ende Deckeli Zytig, Sammelfieber und Sammelordner. Die Firma "Gourmex" übernimmt den Sammlerbereich. Aus "Gourmex" wird "Thüring Gastro AG".

Die Restfolien von KADE werden in den unterschiedlichsten Varianten abgefüllt, das Geschäft in den EPA-Filialen blüht! Der Sammlerärger steigt ins Unermessliche.

"Säntis Milch AG" und "Toni" fusionieren zur "Swiss Dairy Food" und liefert immer schlechtere Ware.

In diesem Jahr wird die für alle Zeit wohl schlechteste Serie produziert. Jeder erinnert sich an die Serie "Sonnenfinsternis".


2000

Der Club tauscht neu jeden Monat im Hotel/Rest. Jura in Kerzers.

Es tauchen erneut "rare" Serien als Fälschungen auf. Der Club warnt erneut.

Die Serie "Bündner Gemeindewappen" erscheinen mit 264 Sujets. Neuer Sujetrekord!

Burra verwendet ihren Schriftzug nicht mehr auf Rahmportionen.


2001

Maskottchen "Cremino" ist geboren. Der kleine Kerl erobert das Club-Herz und begleitet uns ab sofort in jedem NEWS.

Der Club hat bei der Firma Cremo wegen der schlechten Deckeli-Qualität interveniert - die Qualität hat sich verbessert.

Erstmals führt der Club 4 Tauschtreffen in der Markthalle Burgdorf/BE durch.

2002

Grosses Pressecommuniqué. Der Club wird fotografiert und in einer Sonderbeilage des Tagesanzeigers vorgestellt.

Konkurs der "Swiss Dairy Food". Der Standort Gossau wird geschlossen!

Die Firma "Wäber GmbH" wird aus dem Deckelimarkt gedrängt. Es gibt keine 100er (80er) Kartons mehr.

Die Firma "Thüring Gastro AG" hat den gesamten Geschäftsbereich Kaffeerahm an die "Karo GmbH" verkauft

2003

Der Club tauscht neu jeden Monat im Rest. Bad Klus in Oensingen.

Die NEWS erscheinen ab sofort monatlich. Jedes in der Schweiz erschienene Deckeli wird abgebildet. Clubbeitrag neu Fr. 40.-

Wir verschenken in Burgdorf unsere ersten Cremino-Aufkleberdeckeli. Die Nachfrage ist enorm.

Die Serie "Päpste" erscheint mit 264 Sujets.

Burra funkelt mit Emmi… Das lang heraufbeschworene Fiasko ist Wahrheit geworden: Burra produziert Rahmportionen mit Emmi-Schriftzug.


2004

Die Firma "B&M Produkte AG" produziert nach Club-Vorlagen die 30er Serie "Cremino".

3-Punkt-Laschenvarianten von 7'000er Serien abgefüllt in Tschechien.

 

2005

Frau Marietta Freitag stellt das Amt der Präsidentin zur Verfügung und wird nach 19 Jahren Vorsitz zur Ehrenpräsidentin ernannt. Ihr Nachfolger wird Leo Eichenberger.

Die Firma "B&M Produkte AG" produziert nach Club-Vorlagen die 30er Serie "Cremino II"

Coop gibt in Zusammenarbeit mit Emmi eine Jubiläumsserie "5 Jahre Supercard" heraus. Es gilt das Deckeli mit den 555 Superpunkten zu finden. Viele Sammler verzichten auf die Superpunkte um das seltene Deckeli in der Sammlung behalten zu können!

Mit der Serie "Amts- und Gemeindewappen des Kantons Bern" erscheint mit 426 Deckeli die grösste je produzierte Deckeli Serie! Wer toppt dieses Ereignis?

Burra wird von Emmi übernommen, behält aber ihre Abfüllanlage.


2006

AZM und Emmi schliessen zur "Molkerei Mittelland AG" zusammen. Der Maschinenpark ist entfernt. Wieder stirbt ein Abfüller.

Es bleiben noch 4 aktive Abfüllbetriebe:

Das 20jährige Clubbestehen wird am 10. september 2006 in der Markthalle Burgdorf ausgiebig gefeiert.





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© Cécile Di Bella 1998 / 1999/ Dez.2000 / Okt. 2006